Nume ke GAU, gäu!

Wärti Froue u Manne

4.9 Millionen Menschen haben im Umkreis von 50 Kilometer um die Schweizer AKW Jodtabletten erhalten. Niemand hat aufgeschrien und gesagt, ein AKW-­GAU sei unmöglich. Auch nicht die harten AKW-­Befürworter.
Oder gibt es hier Parlamentarier die sagen, dass das AKW Mühleberg 100% sicher ist?
Niemand.

Und jetzt glaubt die Mehrheit hier drinnen, dass im Falle einer nötigen Jodtabletten-Einnahme die Feuerwehr, der Zivilschutz, die Polizei und das Militär der Bevölkerung Schutz bieten können?

Nach über 40 Jahren AKW‐Bau werden erst jetzt erweitert Jodtabletten verteilt und die Verantwortlichen suchen immer noch nach Evakuierungsmöglichkeiten.

Bern liegt nur 14 Kilometer vom AKW Mühleberg entfernt. Es wird kaum möglich sein, innerhalb von wenigen Stunden 150'000 - 300'000 Personen zu evakuieren. „Da müsse man sich nichts vormachen“, sagte Andreas Gäumann vom bernischen Amt für Bevölkerungsschutz.

In der Antwort des Regierungsrates auf meine Motion steht: „Der Regierungsrat nimmt die Besorgnis der Bevölkerung ernst und legt grossen Wert auf eine gute vorsorgliche Planung.“
Ja, diese hat schon vierzig Jahre gedauert und wird dann nach 2019 vielleicht fertig.

Es kommt ein grosses Chaos in unseren Amtsstuben zum Vorschein. Seit Jahrzehnten wird Schwarzpeter gespielt. Von Amtsstube zu Amtsstube wird die Zuständigkeit und Verantwortung hin und her geschoben. Dieser uneffiziente AKW‐Bevölkerungsschutz braucht viel Personal und ist eine Geldvernichtungsmaschinerie. Das haben die AKW-­Befürworter zu verantworten.

Glaubte man noch während des kalten Krieges, den bösen Feind genau lokalisieren zu können, so sieht das heutige Bedrohungsbild komplett anders aus... Wir haben nun eine hausgemachte Bedrohung in unserem Lande durch die fünf Atom‐Reaktoren. Die Schweiz hat sich quasi fünf atomare Zeitbomben im eigenen Land aufgebaut. Und dies nur für Elektrizität, die man natürlich auch anders und billiger herstellen kann... 

Stellen Sie sich vor, ein Selbstmordpilot (und Selbstmordkandidaten gibt es immer mehr) steuert von 5000 Höhenmetern ein vollgetanktes Flugzeug senkrecht in das AKW Mühleberg. 500'000 Menschen werden dann ihren Wohnort sofort verlassen wollen.

Und Sie, Herr Regierungsrat Käser, wollen die Feuerwehr, den Zivilschutz usw. in die extrem gefährdeten Gebiete in den Freitod schicken? Wissen diese Truppen, dass es wohl kein Überleben gibt? Ist das vertraglich geregelt?

Atomkraftwerke verursachen demokratiefeindliche Szenarien. Diese können vielleicht in Nordkorea durchgeführt werden, aber nicht in einem freiheitlichen Land wie die Schweiz.

Deshalb haben junge Menschen mich aufgefordert, nach dieser Jodtabletten-Verteilung das Vorgehen unmittelbar nach dem GAU genauer anzuschauen, aus der Erfahrung von Tschernobyl und Fukushima.

Erst wenn wir uns alle mit den Auswirkungen auseinandersetzen und möglichst real üben, werden wir erkennen, dass auch eine GAU-Truppe uns nicht vor dem GAU verschonen kann. Es geht also nicht primär um die GAU-Hilfstruppe, sondern darum, den schlimmsten Ernstfall zumindest in Gedanken endlich konsequent durchzudenken.

Ich fordere diesen Umweg zur Einsichtgewinnung, dass wir endlich zugeben können, dass wir mit dieser Technologie überfordert sind und dass die Instandstellung und Reparaturkosten den Ertrag bei weitem übertreffen.

Das ist die Idee dieser Motion. Deshalb rufe ich euch auf – Stimmen Sie 4x Ja.

Schlusswort

„Die Atomspaltung kann letztlich nur der Zerstörung dienen“ Diesen Satz knüpfte einst der grosse Albert Einstein an seine Erfindung. Er war eben nicht nur ein brillanter Wissenschaftler, er hatte darüber hinaus auch noch ein Gewissen...

Es braucht GAU-­Massnahmen, weil wir das AUGen‐Mass verloren haben! Ich wandle die Motion in allen 4 Punkten zum Postulat um. Machen wir den steinigen und stotzigen Umweg – Stimmen wir 4x JA!

Herzlichen Dank!